Die Phasen des Mediationsverfahrens

Die Mediation ist ein strukturiertes Verfahren, dass sich in sechs Phasen unterschiedliche Phasen aufgliedert.

Die 6 Phasen der Mediation

1. Vorbereitung und Mediationsvertrag

In dieser Phase werden die Grundlagen für ein kooperatives Miteinander geschaffen:

  • Konfliktanalyse: Auftragsklärung, Mediationsvertrag, Analyse der Sachlage, Identifikation und Analyse der beteiligten Personen und Gruppen, Analyse des Konfliktstatus, Entwurf des Prozessdesigns/Prozessverlaufs
  • Klärung organisatorischer und verfahrensrelevanter Fragen: Verhandlungsmandate klären, Interessenrepräsentation und Gruppengröße, Organisation des Verfahrens (Zeit und Ort)
  • Klärung des Mediationsprozesses (Rolle des Mediators, Verfahrensregeln, Ziel der Mediation)

2. Phase: Informations- und Themensammlung

In dieser Phase wird geklärt, worum es genau geht. Die Informationen werden von der Mediatorin so konkret wie möglich und so abstrakt wie nötig in wertneutraler Form aufgelistet und strukturiert. Hier geht es darum, einen Überblick über die zu bearbeitende Themen zu schaffen und den Parteien den Raum zur Darlegung ihrer Sichtweise zu geben. Die Mediatorin unterstützt dabei die Parteien bei der Formulierung eigener Interessen und Bedürfnisse.

  • Bestandsaufnahme und Informationsausgleich
  • Bisherige und anstehende Planungen und Entscheidungen offenlegen
  • Transparenz schaffen
  • Respekt und Akzeptanz schaffen
  • Angemessener Umgang mit Emotionen
  • Positionen in Themen umformulieren
  • Relevante Themen auflisten und strukturieren

3. Phase: Interessenklärung

Diese Phase bildet den Schwerpunkt jeder Mediation: Hier geht es darum, die Parteien in die Lage zu vesetzen, ihre gegenseitigen Interessen und Bedürfnisse zu verstehen und anzuerkennen. Durch spezielle Fragetechniken unterstützt die Mediatorin die Parteien dabei herauszufinden, was hinter den Positionen liegt und was für die Parteien besonders wichtig ist. Dabei geht der Mediator nur soweit auf die sich hinter dem Konflikt befindliche Ebene ein, wie es für die konkrete Konfliktlösung erforderlich ist.

  • Erforschung der persönlichen und wirtschaftlichen Bedürfnisse und Interessen der Parteien durch die Mediatorin
  • Herausfinden von Motiven und Gefühlen
  • Bezugs- und Wertesystem identifizieren

4. Phase: Kreative Ideensuche, Optionen bilden

Auf der Grundlage der Interessen werden nun in dieser Phase mit Hilfe konkreter Kreativitätstechniken Lösungsideen gesucht. Ziel dieser Phase ist es, Handlungsrationalitäten der Parteien zu erweitern. Was wäre alles denkbar? Zum Einsatz kommen kreative Methoden und Techniken wie Brainstorming, Bionik, Analogien, Assoziationen, Mind Mapping etc. Allen Techniken ist eines gemeinsam: ein wertfreies sammeln von Ideen – in dieser Phase gibt es keine Urteile über die gesammelten Ideen.

  • Sammlung von Ideen
  • Auf- und Entdeckung neuer Optionen auf Grundlage der Interessen
  • Erweiterung des Verhandlungsspielraums

5. Phase: Bewertung und Auswahl von Optionen

Erst in diser Phase werden die gesammelten Ideen und Optionen bewertet. Mit Hilfe der Mediatorin klären die Parteien, wie eine konkrete Lösung am besten angegangen werden kann. Die gesammelten Ideen und Optionen werden strukturiert und durch bestimmte Methoden bewertet (Wertbaumanalyse, PMI, und andere Bewertungstabellen bzw. Matrizen, Paketlösungen, Kompensationen, Prüfkriterien, Aktionsplan).

  • Übergeordnetes Ziel: Erweiterung von Handlungskapazitäten
  • Neue Argumente und Einsichten durch Perspektivenwechsel
  • Integratives Verhandeln
  • Bewertung und Auswahl von Lösungsoptionens
  • Für alle akzeptable Regelung entwickeln durch Interessenvermittlung

6. Phase: Vereinbarung und Umsetzung

In der letzten Phase der Mediation wird die Basis für weitere langfristige kooperative Beziehungen gefestigt: die Parteien fixieren die Ergebnisse und klären die konkrete Umsetzung.

  • Mediationsvereinbarung
  • Klärung der Umsetzung
  • Nachfolgetreffen und ggf. Nachverhandlung
  • Etablierung langfristig kooperativer Beziehungen
  • Dokumentation, Implementation und kontinuierliche Anpassung der Ergebnisse
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Bücher zum Thema

Schulz von Thun:
Miteinander Reden 1-3

Christoph Thomann:
Klärungshilfe 1
Klärungshilfe 2

Marshall Rosenberg:
Gewaltfreie Kommunikation

Christian Duve: Wirtschaftsmediation

Christoph Thomann, Christian Prior:
Klärungshilfe 3 – Das Praxisbuch

Roger Fisher, William Ury, Bruce Patton:
Das Harvard-Konzept. Der Klassiker der Verhandlungstechnik

Friedemann Schulz von Thun, Johannes Ruppe, Roswitha Stratmann:
Miteinander reden: Kommunikationspsychologie für Führungskräfte

Rainer Ponschab:
Kooperation statt Konfrontation